Kürbisgeister

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Herbstzeit ist Kürbiszeit. Kürbiszeit bedeutet, Halloween naht. Kürbisse sind in aller Munde. Doch wie füttert man sie denn nun am besten. Roh, gegart, mit oder ohne Schale? Schmackhaft, dekorativ oder vielleicht giftig? Tretet ein, ins etwas andere Spukhaus und entdeckt die verborgene Welt der Kürbisgeister!

Hokkaido – der Fingerschnapper

Diese japanische Schönheit amerikanischen Ursprungs weiß seine Opfer mit warmen Farbtönen zu locken. Das satt leuchtende Orange und die küchenfreundliche Größe lassen ihn nahezu perfekt erscheinen. Ein Hokkaido kann stattliche 2kg Lebendgewicht erreichen oder eben auch nur niedliche 500g. Dieser harmlos wirkende Herbstbote verführt mit einem angenehmen Aroma und zahlreichen Nährstoffen. So enthält er beispielsweise reichlich Folsäure. Seine satten Farben verdankt er dem großzügig enthaltenen Beta-Carotin. Es befindet sich besonders reichhaltig in der Schale, weswegen sich hier der Griff zu Bio-Qualität empfiehlt. Denn der Hokkaido ist nicht nur gekocht genießbar, sondern auch roh und sogar mit Schale.
Möglicherweise hat einer von euch auch schonmal einen grünen Hokkaido erblickt? Ja, es gibt sie wirklich, es sind keine Fabelwesen. Sie wirken nur viel unscheinbarer in ihrem dunklen Mantel. Die perfekte Tarnung eines wahren Küchenschrecks.
Traut keinesfalls diesen hübschen Herbstkugeln, sobald sie es in eure Küche geschafft haben. Hübsch heißt noch lange nicht harmlos! Setzt ihr das Messer am Rohexemplar an, gebt Acht, sie verfügen über ein unsichtbares Verteidungssystem. Sehr leicht nämlich rutscht man speziell bei diesem Gesellen ab und sorgt so flott für ein blutiges Halloween-Warm-up. Psst, es gibt da einen kleinen Trick. Zähmt das kleine Monster zuvor im Backofen. Packt es mit Haut und Hut hinein, macht es ihm wohlig warm. Prüft während der Garzeit immer wieder das Hütchen. Läßt sich dieses leicht bewegen, frisst euch dieses kleine Küchenmonster quasi aus der Hand und eure Finger sind sicher.

Zentner – der Kellerschreck

Bis zu 50kg Lebendgewicht können diese hellgoldenen Giganten erreichen, unter 20kg findet man selten welche. Von einem einzigen Exemplar kann also eine ganze Familie satt werden. Im Vergleich zu anderen Kürbisarten, läßt sich der Zentner allerdings nicht ganz so lange lagern. Kühl und trocken gebettet hält er sich nur etwa zwei bis drei Monate. Dies gilt nicht nur für den Gelben Zentner, sondern auch für seinen etwas kleineren Vertreter, den Roten Zentner. Aus diesem Grund findet man diese friedfertigen Giganten gen Winter bereits im Keller. Zahlreiche Variationen, von Zentnerragout über Chutney und Marmelade bis zu eingelegten Zentnerwürfelchen, leuchten einem farbenfroh entgegen. Besonders interessant wird es, wenn man nur mit einer Taschenlampe bewaffnet in die private Erdvertiefung abtaucht. So ein Regal voll mit Zentnerkreationen birgt einen gewissen Gruselfaktor im kargen Schein einer nur kleinen Lampe. Sogar in der Gefriertruhe kann man die Überreste jener Riesen entdecken, zum Beispiel als Kürbispüree. Insbesondere der Gelbe Zentner mag übrigens sein Dasein als Kellerschreck sehr, er liebt die kühle Dunkelheit im Glas. Sie scheint seine Bestimmung. Sein roter Cousin hingegen präsentiert sich viel lieber auf Familienfeiern in Suppen und Kuchen. Ebenso wie alle Kürbisse, enthält auch dieser Gigant reichlich Beta-Carotin und weitere wertvolle Nährstoffe wie beispielsweise Magnesium. Er ist also wirklich einen Blick wert.

Butternut – die Ofennuß

Dieser bleichgoldene Geist spukt immer wieder über Märkte und durch Küchen. Zwar ist er nicht so auffällig und hübsch wie die meisten seiner Verwandten, doch dafür weiß er mit seinem nussigen Aroma und nahezu butterfeinem Fleisch zu betören. Diese birnenfirmige Feldfrucht läßt sich sogar roh verzehren, auch mit Schale. Im Gegensatz zum Hokkaido aber ist seine Schale im Rohzustand eher zäh und ungenießbar. Dies ist jedoch halb so wild, da Hund sich daran nicht unbedingt groß stört und Mensch ohnehin das Fruchtinnere bevorzugt. Je länger man einen Butternut übrigens lagert, desto intensiver wird sein Aroma und das Gelborange seines Inneren. Lagert man ihn kühl und trocken, hält er sich mit etwas Glück bis zu einem Jahr.

Spaghettikürbis – Undercover O'Wurm

Dieser etwas unscheinbare Kürbis erreicht ein Lebendgewicht von bis zu 3kg. Er zeigt sich meist in einem sanften Gelb oder grün gestreift. Auf einem Kürbisfeld kann es daher schonmal vorkommen, daß man über ihn stolpert bevor man ihn sieht. Seine Form erinnert ein wenig an eine Zucchini mit Adipositas. Doch nicht nur auf dem Feld ist er gut getarnt. Sein eigentliches Geheimnis offenbart er nämlich erst nach dem Garen. Dann findet man plötzlich hunderte filigrane Würmer in seinem Innereien. Die Hitze hat ihr Tarnsystem außer Kraft gesetzt. Diese goldfarbenen Spaghetti eignen sich hervorragend als Suppeneinlage oder Futternest im Hundenapf. Buon appetito!

Blue Hubbard – das Urzeitei

Nicht viele wissen von seiner Existenz, obwohl er gar nicht so selten ist. Möglicherweise liegt es ein wenig daran, daß er nicht auf jedem Feld zu finden ist. Oder auch, daß man ihn nicht so einfach findet. Denn dieser kleine Gigant fällt mit seiner blaugrauen Farbe nicht besonders auf und manch‘ einer könnte ihn durchaus für einen großen Stein halten. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten müht man sich bereits still und heimlich, nicht an gewisse Urzeitwesen zu denken. Dinosaurierei oder Kürbis? Dieses scheinbare Relikt längst verblasster Zeiten erreicht ein Gewicht von bis zu 15kg. Sein Fleisch leuchtet in einem hübschen Gelborange und eignet sich unvergleichbar gut für Kürbissuppe und -kuchen. Ein Geheimtip für Kürbisliebhaber und natürlich auch ihre vierbeinigen Mitbewohner, wenn auch nur gegart. Auf Grund seiner Größe sollte man sich aber vor dem Kauf möglichst genug Platz in der Gefriertruhe freihalten. Gart das Fleisch des Urzeiteies in kleineren Würfeln und friert es nach dem Abkühlen ungewürzt und portioniert ein. So könnt ihr später über die genaue Verwendung entscheiden. Kommt es in den Hundenapf, Kochtopf, die Rührschüssel oder doch lieber in die Auflaufform. Ihr habt nun die Qual der Wahl und das Beste, es ist genug da! Ihr könnt jede eurer Ideen ausprobieren!

Einige von euch halten sicher auch Kürbisse im heimischen Garten und kennen ihren eigenwilligen Sinn für Raumgestaltung. Verwendet ihr die Saat aus dem Herzen der Verflossenen, wundert euch nicht. Oft erhält man dann nur Grünzeug, maximal Zierkürbisse. Dies liegt daran, daß in der Landwirtschaft bevorzugt auf Hybridsaatgut gesetzt wird, da dieses als ertragsreicher gilt. Wenn sich mehr als eine Sorte Kürbisgewächs im Bienenradius eurer Nachbarschaft befindet, kann es zu unerwünschten Kreuzungen kommen. Jene können das Toxin Cucurbitacin enthalten, welches auch mal durch Rückmutationen kultivierter Speisekürbisse zum Vorschein kommen kann. Diese giftigen Zeitgenossen lassen sich nur selten mit dem bloßen Auge von anderen unterscheiden. Glücklicherweise gibt es da aber einen Trick, den sogenannten Zungentest. Öffnet den Kürbis und leckt kurz über sein Fruchtfleisch. Schmeckt es deutlich bitter, verzichtet besser auf den Verzehr. Diesen Bitterstoff schmeckt man sowohl im Rohzustand als auch nach dem Garen.

(Hinweis: Zucchini und Gurken zählen ebenfalls zu den Kürbisgewächsen und können mit Pech giftig sein.)

So manch einer fragt sich jetzt vielleicht, wo der beliebte Halloweenkürbis, auch liebevoll Schnitzer genannt, geblieben ist. Nun, er fiel dieses Jahr bedauerlicherweise dem Schlachtfest Halloween zum Opfer. Da aber jedes Jahr neue Jack O’Lanterns geboren werden, wird er vielleicht auch irgendwann einer von ihnen den Weg ins Futterblattspukhaus finden.

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