Ausschlußdiät - das Schachspiel mit der Verdauung

Ausschlussdiaet-Futterblatt

Mach doch einfach eine Ausschlußdiät! Diesen Satz liest man in Foren recht häufig oder bekommt ihn beim Gassi präsentiert. Doch ist das wirklich so einfach? Wozu genau ist diese Diät überhaupt gut? Was füttert man da und wie aufwendig ist das Ganze? Häufig wird für eine Ausschlußdiät zu Pferd und Kartoffel geraten. Diese sind jedoch nur eine Option von vielen und nicht immer sinnvoll.

Was ist eine Ausschlußdiät?

Eine Eliminationsdiät wird durchgeführt, wenn Verdacht auf eine Unverträglichkeit oder Allergie unbekannten Auslösers besteht. Auf diese Weise läßt sich herausfinden, ob euer Hund möglicherweise an einer Lebensmittelallergie leidet. Die häufigsten Allergieauslöser sind dabei erfahrungsgemäß Getreide, synthetische Zusatzstoffe, Rind, Huhn und Pute.
Eine Diät stellt immer auch eine Mangelernährung dar. Daher ist sie im Regelfall nur temporär anzuwenden.  Die Ausschlußdiät wird aus genau diesem Grund nur für bereits erwachsene Hunde empfohlen. Zwar gibt es besondere Härtefälle, doch jene sind glücklicherweise sehr selten.

Wie funktioniert das?

Für diese Diät eignen sich ausschließlich rohe Zutaten.
Fertigfutter ist auf Grund der herstellungsbedingt unvermeidbaren synthetischen Zusätze und seiner ungenügend transparenten Zusammensetzung leider ungeeignet.

Eine Ausschlußdiät unterteilt sich in vier Etappen:
Planung – Basis – Provokation – Auswertung

Das Schachbrett – Marke Eigenbau

Für die erste Etappe braucht es gar nicht viel, die Materialien hat jeder zu Hause. Bauen wir uns ein Schachbrett! Was brauchen wir dazu? Holz, Farbe und Figuren! Nimm dir ein paar Blatt Papier (Holz), deinen Lieblingsstift plus drei Farbstifte (Farbe) und plane die gesamte Diät auf dem Papier vor. Überlege dir nun, welche Tierarten dein Hund möglichst noch nie gefuttert hat. Schreibe alle auf. Dasselbe machst du nun mit eher kohlenhydratelastigem Gemüse. Von welcher der notierten Proteinquellen (Tierarten) bekämst du am ehesten nicht nur Muskelfleisch, sondern auch andere Bestandteile wie Innereien? Welche der vermerkten Kohlenhydratquellen (Gemüse) bekämst du am ehesten ganzjährig? Die zwei Auserwählten ergeben das weiße Königspaar deiner Schachfiguren.

Nun haben wir also unsere ersten Figuren und das Brett (Papier). Jetzt ziehen wir die Linien für das Karomuster. Welche Futtermittel soll euer Hund künftig bekommen, welche hat er schon bekommen? Notiert euch alle, auch mögliche Futterzusätze. Falls ihr bisher Fertigfutter verfüttert habt, guckt auf die Zusammensetzung jener. Fertig wären die Karolinien!
Anschließend legt ihr die Reihenfolge fest, in der ihr jene testen wollt. Idealerweise beginnt ihr mit den unterschiedlichen Proteinquellen, um die Diät nährstofftechnisch etwas aufzulockern während der Eliminationsphase. An zweiter Stelle folgen Gemüse- und Obstsorten, an dritter Stelle Getreide inkl. Pseudogetreide. Zuletzt kommen Futterzusätze wie Öle, Pulver und Kräuter dran. Laßt hinter jedem Lebensmittel etwas Platz für Notizen und einen Farbklecks. Perfekt, ein wunderschönes Schachbrettmuster ziert ab sofort euer Spielbrett!
Im Idealfall verfügt ihr über ausreichend Gefrierkapazitäten, um zumindest die tierischen Komponenten auf Vorrat einkaufen zu können. Dies spart Zeit, Nerven und meist auch Geld.

Die Basiskost – Thron der Könige

Es wird eine Basiskost aus einer einzelnen Protein- und einer einzelnen Kohlenhydratquelle zusammengestellt. Dabei sollte die Proteinquelle, eine einzelne Tierart, möglichst noch nie zuvor an den Hund verfüttert worden sein. Selbiges gilt für die Kohlenhydratquelle. Diese Auswahl haben wir bereits in der Vorplanung getroffen.
Unser weißes Königspaar stellen wir nun auf’s Schachbrett. Alle anderen Figuren sind ebenfalls bereits da. Jedoch können wir noch nicht erkennen, welche Farbe sie besitzen. Deswegen ignorieren wir sie zunächst und spielen uns erstmal ein wenig ein.

Die Basiskost wird pur über 4-12 Wochen verfüttert.

Vier Wochen sind hierbei das Minimum. Ist dein Hund nach dieser kurzen Zeit bereits völlig symptomfrei, kann mit der Eliminationsphase begonnen werden. Standardmäßig wird die Basiskost aber für acht Wochen verfüttert, maximal für zwölf. Wie lange diese erste Diätetappe dauert, hängt also komplett und individuell von deinem Hund ab. Ist nach zwölf Wochen noch keine Symptomfreiheit oder zumindest deutliche Milderung erreicht, liegt entweder keine Nahrungsmittelallergie vor oder keine Unverträglichkeit alleinig gegen Lebensmittel. In dem Falle gilt die Ausschlußdiät als beendet.

Sollte mit der Basiskost nur eine deutliche Symptomminderung aber keine Symptomfreiheit erreicht worden sein, könnt ihr trotzdem eine Eliminationsdiät durchführen. Allerdings müßt ihr dann von zusätzlichen nicht fütterungsbedingten Allergien und/oder Unverträglichkeiten ausgehen. Klassiker wären hierbei beispielsweise Gräser, Hausstaub- und Futtermilben. Zumindest Futtermilben ließen sich nach dieser Diät sicher austesten, indem ihr komplett auf Frischfutter umsteigt und dies für mindestens zwölf Wochen. Verschwinden die Symptome gänzlich, könnt ihr von einer Futtermilbenallergie ausgehen.

Diese ersten Wochen werden für euch und euren Hund die größte Herausforderung sein. Es kann wahrlich nervtötend sein, wochenlang identisches Futter zu geben (oder zu bekommen) und auf die sonst üblichen Hundekekse gänzlich zu verzichten. Selbst bei Freunden und Verwandten muß man den Pingeligen mimen und aufpassen. Doch haltet durch, es lohnt sich!

Hinweis: Im Regelfall wird die Basiskost mit einem Verhältnis von 70:30 (tierisch zu pflanzlich) gefüttert. 2% vom Idealgewicht eures Hundes ergeben die ungefähre Futtermenge pro Tag. Weniger sollte möglichst nicht gefüttert werden. Mehr wäre okay, besonders bei Zwergrassen. Je kleiner der Hund, desto mehr Prozent vom Körpergewicht braucht es im Regelfall. Dabei wird nach wie vor von einem erwachsenen Hund ausgegangen.

(Für erfahrene Rohfütterer: Wird nicht nur mageres Muskelfleisch verwendet, gilt das übliche Verhältnis von 80:20.)

Provokationsphasen – die Elimination beginnt

Der dritte Schritt besteht aus den Provokationsphasen. Diese machen Spaß, erfordern aber auch Geduld. Jedes Lebensmittel, daß ihr in der Zukunft gern verwenden möchtet oder bisher verwendet habt, wird nun jeweils einzeln für sich getestet werden. Klingt leicht, oder? Ist es auch, fast.
Denn für jedes zu testende Lebensmittel müßt ihr etwa zwei Wochen einkalkulieren.
Angenommen, ihr möchtet als erstes Rindfleisch testen. Dann füttert ihr anstatt der bisherigen Proteinquelle eurer Basiskost drei Tage lang Rind. Die Kohlenhydratquelle, das Gemüse, bleibt unverändert. Ihr tauscht also einfach nur die Proteinquelle vorübergehend aus. Dabei darf es neben einfachem Rindermuskelfleisch auch gern alles andere vom Rind sein. Hier ein kleiner Tip für jene, die noch nie zuvor roh gefüttert haben: Muskelfleisch meint Fleisch wie Suppenfleisch, Gulasch, Steak oder Hack. Dieses darf auch gern sichtbar Fett dran und drin haben, mageres Fleisch ist hier zu vernachlässigen. Hunde haben da andere Ansprüche an ihre Nahrung. Bitte füttert keine Knochen!

Sollte euer Hund innerhalb der drei Testtage deutliche Symptome einer Unverträglichkeit oder gar Allergie zeigen, notiert ihr diese in eurem Diätplan unter Rind. Danach kehrt ihr zurück zur Basiskost und füttert diese bis zur vorherigen Symptomfreiheit. Erst dann kann der nächste Test durchgeführt werden. Die Basis ist immer Symptomfreiheit.
Reagiert euer Hund innerhalb der drei Tage nicht, kehrt ihr ebenfalls zur vorherigen Basiskost zurück. Wartet eine volle Woche ab, ob sich eventuelle verspätete Reaktionen auf Rind zeigen. Falls ja, verfahrt ihr ebenso, als wären die Symptome innerhalb der Provokationstage aufgetreten. Zeigt euer Vierbeiner auch nach dieser Extrazeit keinerlei Symptome, notiert ihr dies ebenfalls und könnt das nächste Lebensmittel testen. Zeigt euer Hund bereits am ersten Rindtag deutliche Symptome, brecht ihr diese Provokation ab und kehrt direkt zurück zur ursprünglichen Basiskost. Notiert die Symptome und spielt erstmal wieder nur mit eurem weißen Königspaar auf dem Schachbrett. Wieder ist das Ziel Symptomfreiheit, bevor ihr die nächste Provokation durchführen könnt.  

Bei einem Volltreffer in Sachen Unverträglichkeit können die auftretenden Symptome euch mit Pech auch mal etwas Schlaf rauben. Durchfall, Erbrechen oder starker Juckreiz kennen leider keine Uhrzeiten. Seht es positiv! Immerhin habt ihr dann bereits einen Übeltäter sicher identifiziert. Seid ihr euch bei einer Provokation unsicher, ob sie nun Symptome bewirkt hat oder nicht, macht eine Notiz dazu. Ihr könnt‘ das Lebensmittel später ein zweites Mal testen. Manchmal zeigen sich mögliche Symptome einfach sehr schwach oder sind schlichtweg keine Symptome gewesen.

Die Auswertung - Schachmatt

Der letzte Schritt ist der angenehmste, die Auswertung. Ihr habt euch tapfer durchgekämpft und eiserne Nerven bewiesen. Nehmt euch nun drei Farbstifte und achtet darauf, daß sie sich deutlich genug unterscheiden. Angenommen, ihr habt euch für Rot, Gelb und Grün entschieden. Nehmt den roten Stift und malt hinter jedes getestete Lebensmittel in eurem Plan, das sich als Schurke entpuppt hat, einen roten dicken Kreis. Dann nehmt ihr den grünen Stift und macht das gleiche mit allen Futtermitteln, die keinerlei Symptome hervorriefen. Zuletzt markiert ihr die möglicherweise übrigen, bei denen ihr euch nicht sicher wart. Sie kommen selten vor, aber es gibt sie. Gratulation, kommen wir nun zur Preisverleihung! Konsequent und geduldig habt ihr euch auf dem Schachbrett der Verdaung bewiesen. Der Lohn ist eine Liste mit allen künftig zu meidenen Lebensmittel. Ebenso wisst ihr, welche sicher vertragen werden und könnt endlich das perfekte Futter für euren geliebten Vierbeiner auswählen, das er nun auch ganz sicher vertragen wird.

Falls ihr zurück zum Fertigfutter möchtet, ist das okay. Studiert nur künftig die Zusammensetzung des Futters auf eventuell problematische Bestandteile. Eine Gewissheit habt ihr allerdings nicht, da die Hersteller nicht verpflichtet sind, alles genau anzugeben. Doch es gibt immer mehr, die sich bemühen, transparenter zu deklarieren. Vielleicht aber habt ihr auch Geschmack an der Rohfütterung gefunden. Dann empfehle ich, lest euch zu dem Thema ein. Man braucht kein Studium, um die Feinheiten zu verstehen. Lesemut hingegen, den braucht man. Aber wenn ihr den nicht hättet, wärt ihr schließlich nicht bis zu diesem Satz gelangt.

Was ist mit Leckerlis?

Leckerlis sind tabu. Wie eingangs bereits erwähnt, sollte zumindest während dieser Diät auf bisherige Leckerlis konsequent verzichtet werden. Aber gibt es ein kleines Schlupfloch für unser Hundehalterherz.
Angenommen, die Basiskost bestünde aus Ziege und Pastinake. Dann dürfen getrocknete und ansonsten naturbelassene Bestandteile von beidem als Leckerli verfüttert werden. Achtet nur darauf, daß zum Trocknen keine chemischen Prozesse durchgeführt wurden. Dies steht entweder beim Kauf dabei oder ihr wendet euch direkt an den Hersteller, der für gewöhnlich bereitwillig Auskunft dazu gibt. Wichtig ist, daß es wirklich pure naturbelassene Produkte sind, beispielsweise getrocknete Fleischstreifen. Wer einen Dörrautomaten besitzt, kann seine Leckerlis sogar selbst herstellen. Doch auch ohne dieses nützliche Gerät werdet ihr ganz sicher Leckerlis finden. Manchmal muß man nur etwas mehr suchen, Kekse kann ja schließlich jeder.

Das Zauberwort einer jeden Diät bedeutet Konsequenz, speziell bei der Ausschlußdiät. Denn ein Fehler kann bereits die gesamte Diät ruinieren. Ergattert eurer Hund zwischen beispielsweise einen Hundekeks irgendwo , wirft euch dies zum Anfang der Basisphase zurück. Laßt ihr zu wenig Abstand zwischen den einzelnen Provokationen, verliert die Geduld. Dann findet ihr euch in Woche eins der Basis wieder, ergo am Anfang. Also tut euch den Gefallen, zieht es durch! Einmal richtig und danach mit Glück nie wieder nötig!

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