Der Hund und das Ei

Das-Ei-Futterblatt

Um Eier ranken sich so einige Gerüchte. Die einen behaupten, sie seien giftig. Andere schwören auf ihren Einsatz und sagen, das Fell des Hundes würde dadurch schöner. Doch was davon stimmt denn nun und was kann so ein Ei eigentlich wirklich?

Das Hühnerei – die Spezialeinheit

Ein durchschnittliches Hühnerei wiegt etwa 50-60g. Im Handel findet man jedoch verschiedene Größenklassen (S-XL) vor. Diese richten sich immer nach dem jeweiligen Gewicht, nicht nach der Größe eines Eies.
Die Eierschale wird von zwei dünnen Membranen ausgekleidet. Zusammen bilden sie eine feste Schutzhülle. Diese Häute sollen das Innere vor Bakterien schützen, die einen Weg durch die Schale finden. Dieses Schutzgebilde birgt das durchsichtige gallertartige Eiweiß in sich, welches wiederum eine kleine Dotterkugel birgt. Neben dem Eiklar befindet sich zudem, zwischen jenen zwei Innenhäuten, noch eine kleine Luftblase im Ei. Jene ermöglicht dem weiterentwickelten Küken später die Lungenatmung, kurz bevor es schlüpft. Anders als beim Menschen oder Hund beginnen Hühnerbabys also bereits vor ihrer eigentlichen Geburt Luft zu atmen. Vielleicht habt ihr beim Schälen gekochter Eier schonmal bemerkt, daß das Eiweiß an einer Spitze immer platt eingedellt ist. Dort befand sich diese Luftblase innerhalb des Eies.

Eigelb – die versteckte goldene Murmel

Ein Eidotter wiegt im Schnitt 16-20g und macht so bis zu einem Drittel des gesamten Eies aus. Es besteht aus nur einer einzigen Zelle und kann einen Durchmesser von bis zu vier Zentimetern erreichen. Daher gilt es auch als volumenmäßig größte bekannte biologische Zelle. Normalerweise dient das Eigelb dazu, den Embryo eines Huhns zu ernähren und ist deswegen besonders mit Nährstoffen angereichert. Jedes Ei enthält eine solch goldene Dotterkugel, auch wenn es nicht befruchtet wurde und somit kein Küken darin heranwachsen kann. Wenn wir also im Supermarkt Eier kaufen, stehlen wir den späteren, niedlichen, kleinen Flauschkugeln nicht ihr Lebenselixier, sondern verwerten ansonsten ungenutzte Rohprodukte.
Seine orangegelbe Farbe verdankt das Eidotter übrigens den enthaltenen Carotinoiden. Je mehr Carotinoide im Hühnerfutter enthalten sind, desto tiefer der Orangeton des Dotters später. Allerdings versuchen einige Hühnerhalter auch zu mogeln und füttern für eine sattere Eigelbfarbe Paprikapulver zu oder verwenden vereinzelt sogar entsprechende synthetische Farbstoffe. Letzteres ist aber zumindest in Bio-Betrieben nicht erlaubt und ersteres immerhin eine natürliche Carotinoidquelle.
Doch diese weiche Murmel kann noch mehr als nur hübsch aussehen und gut schmecken. Wie schon erwähnt ist sie sehr nährstoffreich und gilt als natürlicher Vitamin-B-Komplex, da soweit nahezu alle B-Vitamine enthalten sind, sogar das besondere B12.

(Für Angeber: Eidotter besteht zu etwa 70 % aus Wasser.)

Das Eiweiß – die Styroporkügelchen

Das Eiklar dient erstlinig als Pufferschutz für das Eidotter. Es mimt sozusagen die vielen kleinen Styroporkügelchen im Versandkarton mit der Porzelankugel. Eiweiß wird außerdem oft als besonders proteinreich angesehen. Tatsächlich aber enthält Eiklar mit 10% deutlich weniger Proteine als beispielsweise Eigelb mit seinen etwa 16%, zumindest beim Hühnerei.
Das Eiweiß eines Vogeleis enthält ein besonderes Protein namens Avidin. Die genaue biologische Funktion von Avidin ist unbekannt, vermutet wird aber eine weitere Schutzfunktion des Eies, da es das Wachstum von Keimen zu hemmen vermag.

(Für Angeber: Eiklar besteht zu etwa 85 % aus Wasser.)

Eierschale – ein unscheinbarer Karton

Eierschale besteht zu etwa 90% aus Calciumcarbonat, auch grob als Kalk bezeichnet. Härte und Dicke sind stark abhängig vom Futter und Alter des Huhns. Sie wird bis zu 0,4mm dick und ist von einer nahezu unsichtbaren Haut überzogen, der Cuticula. Diese schützt das Ei vor dem Eindringen von Bakterien. Die Kalkschale besitzt zudem tausende Poren. Sie sind sozusagen das Atmungsorgan eines Eies, welches besonders wichtig für das spätere Embryo ist. Über diese Poren können ohne intakte Cuticula allerdings auch unerwünschte Keime eindringen. Da die Schutzhaut zudem wasserlöslich ist, ist das Waschen von Eiern innerhalb der EU nicht erlaubt oder jene Eier müssen zumindest entsprechend gekennzeichnet werden, da sie schneller verderben. Ihr habt sicher schon öfter mal eine Feder oder kleinere Verschmutzung an der Eierschale beim Einkauf bemerkt.
Die unterschiedlichen Farbgebungen der Kalkschalen werden durch die Einlagerung aus Blut und Galle wenige Stunden vor der Eiablage verursacht. Was erstmal eklig klingt, ist es gar nicht. Denn eingelagert werden nur gewisse Farbpigmente jener Substanzen. Eine weiße Eierschale bedeutet, daß keine Farbpigmente eingelagert wurden. Welche Eierfarben ein Huhn produziert, ist rein erblich bedingt.

(Für Angeber: Ein Ei kann bis zum 20-fachen seines Gewichts tragen, ohne zu zerbrechen.)

Das Ei und der Hund

Vermutlich wisst ihr nun bereits mehr über Eier, als ihr je wissen wolltet. Verzeiht meine Faszination für dieses spannende Konstrukt. Doch wir brauchen zumindest ein kleines bißchen Wissenschaftsstaub, um es zu verstehen.
Speziell dank des Eigelbs, dem großen natürlichen Vitamin-B-Komplex, enthalten sie nämlich noch einige weitere essentielle Nährstoffe. Dazu zählen beispielsweise das wertvolle Vitamin D, wie auch Zink und Magnesium. Am bekanntesten aber ist es für seinen hohen Biotingehalt (auch Vitamin B7 genannt). Dieses Vitamin hat großen und positiven Einfluß auf Haut und Fell. So ist es also nicht allzu verwunderlich, daß einige Hundehalter auf Verfütterung von Eidotter schwören, besonders während des Fellwechsels ihrer Vierbeiner.
Im Vergleich zu Bierhefe, die ebenfalls einen B-Komplex darstellt, ist Eigelb für Hunde mit Neigung zu Hauterkrankungen, Epilepsie oder Getreideunverträglichkeiten kein Problem.
Einziger Nachteil, B-Vitamine sind wasserlöslich und überwiegend auch hitzeempfindlich. Sie gehen also beim Kochen großteils verloren. Deswegen ist es empfehlenswert rohes Eigelb zu bevorzugen.

(Für Angeber: Biotin wird auch als Vitamin H bezeichnet, da schon bei Entdeckung in den 1930ern seine positive Wirkung auf Haut und Haar festgestellt wurde.)

Wie kommt es nun aber dazu, daß manche Menschen Eiverfütterung für schädlich halten?
Eiklar enthält das Glykoprotein Avidin. Dieses vermag Biotin zu binden und somit unzugänglich für den Körper zu machen. Würde man rohes pures Eiweiß verfüttern, bände es das bereits im Körper präsente Biotin. Auf Dauer würde man damit dem Organismus unserer Vierbeiner deutlich schaden. Glücklicherweise beherbergt ein Ei aber auch jene wertvolle Dotterkugel mit viel Biotin. Füttert man also ein komplettes rohes Ei, bindet das Avidin im Eiklar zuerst das viel leichter erreichbare Biotin im Eigelb. Vorraussetzung dafür ist jedoch, daß die rohe Eigelbkugel zuvor geöffnet wird. Sie gleichen einander also einigermaßen aus, doch der Nutzen für euren Hund ist gering bis gar nicht mehr vorhanden. Avidin ist sozusagen unsterblich, aber nicht unbesiegbar. Durch Kochen wird es inaktiv und kann kein Biotin mehr an sich binden.

Wer den vollen Nutzen aus einem Ei für seinen Hund ziehen möchte, trennt es.
Das goldene Dotter wird roh und pur verfüttert, das Eiweiß in einer kleinen Auflaufform im Backofen gegart (oder zu Baiser für den Zweibeiner weiterverarbeitet). Selbst die Eierschale kann man verwenden, dazu einfach an der Luft trocknen lassen und dann zerbröselt als Schneckenabwehr im Garten einsetzen oder zermörsert als Dünger für jene Grüngewächse, die Kalk mögen. Auch eure Fellnase darf davon kosten, egal ob getrocknet oder roh. Doch seid vorsichtig damit, Calciumcarbonat wirkt stark puffernd auf die Magensäure. Dauerhafte oder regelmäßige Gabe kann deutliche Magen- und Verdauungsbeschwerden verursachen. Bei ohnehin eher sensiblen Hunden verzichtet ihr besser gänzlich darauf. Für jene, die aus gesundheitlichen Gründen Calcium supple- mentieren müssen, gibt es geeignetere Optionen wie zum Beispiel Knochenmehl oder Calciumcitrat.

Einen letzten Tip möchte ich euch noch mitgeben. Achtet beim Eierkauf mal auf die Stempel auf den Eiern. Diese sind keine bloße Identifizierungshilfe. Auf der Innenseite jedes Eierkartondeckels findet ihr ihre Aufschüsselung. Was dort nicht steht, Bodenhaltung kann Hühner im geräumigen Gehege mit natürlichem Boden meinen. Ebenso aber steht es für Hühner in einem Gehege auf nahezu beliebigem Boden, die etwa so viele Quadratzentimeter Platz für sich haben, wie sie selbst breit sind. Ähnliches gilt auch für das Prädikat Freilandhaltung. Einzig bei Bio-Eiern gibt es Richtlinien mit weniger Spielraum für die Tierhaltung. Also Augen auf beim Eierkauf und dann guten Appetit!

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Quellen: Lebensmittellexikon.de: Dotter & Eierschale; Agrarlexikon.de: Eierschale; Wikipedia: Dotter & Eiklar; Nährwertrechner.de: Eigelb; Annika Appel

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