Drachenreiter Barf

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Hilfe, mein Hund ist krank, darf ich nun überhaupt (noch) barfen? Es gibt triftige Gründe, warum sogar so mancher Fachmensch, nahezu panisch auf die Aussage, man würde barfen, reagiert und überdeutlich davor warnt. Sie meinen es nämlich gut und wollen nur das Beste für euren Vierbeiner. Wäre Diätfertigfutter also im Krankheitsfalle die grundsätzlich bessere Alternative oder stimmen die Gerüchte, Barf sei eine Art Allheilmittel?

Der Glaube an Barf

Barfen gilt bei vielen mittlerweile als Trend. Doch wo man Licht findet, ist bekanntlich auch Schatten. Speziell vor dem Barfen wird oft und vehement gewarnt und das mit teilweise herzzertrümmernden Worten. Zwischen Unwissen, Vorurteilen und Unsicherheiten gibt es mittlerweile viele Beweggründe dafür.
In den allermeisten Fällen sind es unzureichende Informationen darüber, wie sich eine klassische Barf-Ration tatsächlich zusammensetzt. Dies betrifft sowohl gewisse besorgte Fachmenschen als auch die Hundehalter selbst. Denn oftmals wird eine hundische Ernährung gemeinhin als Barf bezeichnet, weil sie rohes Fleisch beinhaltet. Ob der besagte Hund aber wirklich gebarft wird, wird selten hinterfragt. Einer der Hauptgründe ist dabei zweifelsohne aber die Ansicht, Barf sei eben Barf. Wer auf eine genauere Defintion der Aussage ‚Ich barfe meinen.‘ besteht, sollte sich hüten. Denn derjenige wird mit Pech mit dem Titel eines pedantischen Pseudosektenanhängers beehrt wiederfinden. Alles eine Frage des Glaubens also?

Alle Dalmatiner sind Hunde. Einige Hunde sind Goldschakale. Alle Dalmatiner sind Goldschakale. Richtig oder falsch?

Mit den Begriffen Barf und Rohfütterung verhält es sich ganz ähnlich. Barf ist Rohfütterung, Rohfütterung aber nicht zwangsläufig Barf. Denn Barf ist lediglich ein Ernährungskonzept unter vielen, nur eben eines von jenen mit dem Kernmerkmal Rohfutter.

Barf, der Nierentöter

Die Erkrankung CNI (chronische Niereninsuffizienz) begegnet einem im hundischen Umfeld bedauerlicherweise häufiger. Sie ist ein wahrer Poltergeist, unheilbar und von tödlichem Verlauf. Besonders erschreckend, das chronische Nierenversagen betrifft keineswegs nur ergraute Vierbeiner.
Es geht aber noch erschreckender, denn ausgerechnet der anhaltende Ernährungstrend Barf gilt als einer der großen Wegbereiter einer solchen Niereninsuffizienz. Die übliche Begründung dazu ist, die Ernährung nach dem Barfprinzip sei zu fleischlastig. Also wird oftmals bereits rein präventiv vom Barfen ganz allgemein abgeraten, allerspätestens aber bei diagnostizierter CNI.

Okay, Barf scheint potentiell tödlich zu sein. Soweit so ‚gut‘, also nehmen wir doch besser das altbewährte Fertigfutter?
Achtet mal auf die genaue Begründung jener, die vor dem Barfen warnen. Ihr werdet nicht umhin kommen zu bemerken, daß euch dabei drei Worte im Murmeltierstil grüßend anspringen. Genau! Fleisch, Proteine und Nieren.

Betrachten wir also zunächst erstmal nur die gröberen Fakten. Eine Barfration ist fleischlastig. Fleisch gilt als reichhaltig an Proteinen. Ein Proteinüberschuß gilt als nicht gesundheitsfördernd. Ab wann genau man von einem Proteinübermaß in der Hundeernährung sprechen kann, ist wissenschaftlich bisher so nicht definierbar.

(Nein, ihr habt euch nicht verlesen.)

Der Meuchelmörder Fleisch

Zu viel Fleisch, zu viele Proteine, Nierentod. So in etwa bekommt man es oft als Barfinteressierter oder auch Barfer von vielen Seiten zu hören. Woran denkt ihr bei dem Wort Fleisch beim Lebensmitteleinkauf? An ein saftiges Steak, einen duftenden Hackbraten oder köstlich zartes Filet?

Nach der lebensmittelrechtlichen Definition bezeichnet der Begriff mindestens gefühlt so ziemlich alles vom Tier. So heißt es dort beispielsweise, der Begriff Fleisch umfasse alle Teile von geschlachteten oder erlegten warmblütigen Tieren, welche zum Verzehr durch Menschen bestimmt seien.
Mit ‚…fleisch‘ wiederum ist die nahezu komplette Skelettmuskulatur von für den menschlichen Verzehr geeigneten Säugetieren und Geflügel gemeint, inklusive aller artgemäß darin eingebetteten oder damit verbundenen Gewebe. Immerhin aber gibt es ein paar Richtwerte, die den erlaubtem Maximalgehalt an Fett- und Bindegewebe festlegen und ‚…fleisch‘ muß außerdem Bestandteil eines anderen Lebensmittels sein. Werden jene erwähnten Maximalwerte jedich überschritten, darf es immer noch ‚…fleisch‘ heißen, nur der Fleischanteil des Lebensmittels muß in der Deklaration nach unten korrigiert werden. Bevor dies aber an dieser Stelle in einen Roman ausartet, nur noch eine winzig kleine Prise Fleischdefinition. Denn Fleischerzeugnisse, welche man für gewöhnlich in den üblichen Verbraucherhaushalten vorfindet, können beim Begriff Fleisch sogar Knochen und Knorpel inkludieren.

Barf unterscheidet da hingegen deutlich strenger. So gibt es zum Beispiel Muskelfleisch, Sehnen, Innereien, Knochen, Fett, Knorpel und so weiter. Wenn ein Barfer also von Fleisch spricht, meint er im Regelfall Muskelfleisch. Dies entspricht, um es etwas bildlicher zu gestalten, quasi einem Hüftsteak vom Rind. Nur daß das ideale Muskelfleisch für einen Barfer deutlich mehr Fett enthalten darf und keineswegs hübsch oder besonders zart sein muß. Doch das wäre ein eigenes Thema, also weiter mit dem unsrigen.

Aus Perspektive der Futtermitteldeklarationen besteht jede Mahlzeit eines gebarften Hundes aus durchschnittlich 80% Fleisch. Diese Perspektive wird von Barfkritikern für gewöhnlich so übernommen, da es ihrer Ausgangsposition als Fertigfutterverwender entspricht. Dabei entgeht ihnen jedoch ein spannendes Detail. Denn aus der Perspektive der Rohfütterung sind es nur 40% durchschnittlicher Fleischanteil pro Gesamtfutterration. Doch ist das nun zu viel Fleisch für einen Hund?

Werft bei nächster Gelegenheit doch im Supermarkt mal einen Blick auf all die Fertigfutterverpackungen. Viele Hersteller haben es sich angewöhnt, den Fleischanteil ihrer Produkte gut sichtbar auszuweisen. Doch auch in der Zusammensetzung auf der Rückseite wird man meist fündig. Solltet ihr zufällig ein Spezialdiätfutter zu Hause stehen haben, guckt auch hier einmal auf die Zusammensetzung, Möglicherweise habt ihr sogar eines, welches nahezu vegetarisch anmutet? Super, doch dazu erst später mehr.

Nun zum Thema Proteingehalt, denn dieser wird auch auf Fertigprodukten ausgewiesen. Sehr praktisch, doch Überraschung! Der genaue Proteinbedarf eines Hundes ist nämlich eigentlich unbekannt. Man weiß bisher nur, ein Proteinmangel ist nachweislich ungesund, inbesondere im Wachstum. Dies erklärt also gewissermaßen auch die enormen Schwankungen in Sachen Proteingehaltsempfehlung bezüglich Hundefutter über die vergangenen Jahrzehnte. Denn so lag beispielsweise der 1974 vom NRC (National Research Council) empfohlene Mindestproteinbedarf für Hunde im Wachstum bei über 22%, 1985 aber nur noch bei 11,4%. 1992 empfahl die AAFCO (Association of American Feed Control Officials) einen Mindestproteinbedarf von 22% für heranwachsende und 18% für ausgewachsene Hunde.
1998 fand PhD. Richard D. Kealy in einer Studie mit ausgewachsenen Hunden heraus, daß bei einem Nahrungsproteingehalt von 45% über zwei Jahre keine klinischen Schäden entstanden. Die Gegentestgruppe, welche mit nur 16,5% Futterproteingehalt ernährt wurde, wies hingegegen eine fast doppelt so hohe Sterblichkeitsrate (nach Ende der Studie) auf. Ob hier ein direkter Zusammenhang zwischen dem gesetzten Proteingehalt und der Mortalitätsrate bestand, konnte leider nicht mehr festgestellt werden. Um das Ganze aber ein wenig abzukürzen, es existieren nach wie vor keine Obergrenzen für den Proteingehalt in Hundefutter. Bisher konnten wissenschaftlich keine entsprechenden Schäden durch besonders proteinreiche Ernährung von Hunden nachgewiesen werden. Ohne solche Schadensnachweise kann jedoch auch logischerweise keine Obergrenze definiert werden, ergo gibt es aktuell keine.

Doch warum gibt es trotzdem spezielle Rechenformeln, um den Proteinbedarf eines Hundes zumindest nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen einigermaßen berechnen zu können? Diese Berechnungen legen ihren Fokus dabei bewußt auf die verdaulichen Rohproteine (vRP) im Verhältnis zur sogenannten metabolischen Energie (ME). Denn je nachdem, wie sich Proteine im Futter genau zusammensetzen und welchen Einflüssen sie ausgesetzt wurden, kann sich ihr Verdaulichkeitsgrad stark verändern. Den höchsten Verdaulichkeitsgrad besitzen prinzipiell aber tierische Produkte, den niedrigsten pflanzliche. Dies gilt zumindest für Carnivore wie den Hund. Die metabolische Energie wiederum bezeichnet den verwertbaren Gesamtenergiegehalt eines Futtermittels. Auch hier nehmen wir aber eben eine Abkürzung, um weitere Schwindelanfälle möglichst zu vermeiden. Je verdaulicher das Rohprotein, desto weniger belastende Stoffwechselprodukte entstehen während der Proteinverdauung im Körper. Proteine sind zudem nicht zur eigentlichen Energiegewinnung eines Hundes gedacht, weswegen der tatsächliche Energiegehalt seines Futters eine große Rolle spielt.

Noch einmal im Kurzüberblick:

  • 1974  NRC: Mindestproteinbedarf für Hunde im Wachstum 22%
  • 1985  NRC: Mindestproteinbedarf für Hunde im Wachstum 11,4%
  • 1992  AAFCO: Mindestproteinbedarf für Hunde im Wachstum 22%
  • 1992  AAFCO: Mindestproteinbedarf für ausgewachsene Hunde 18%
  • 1980  PhD. R.D. Kealy: Testgruppe mit Nahrungsproteingehalt von 45% über zwei Jahre ergibt keine klinischen Schäden
  • 1980  PhD. R.D. Kealy: Testgruppe mit Nahrungsproteingehalt von 16,5% über zwei Jahre: nach Studienende hohe Sterblichkeitsrate
  • 2018  es existieren nach wie vor keine Obergrenzen für den Proteingehalt von Hundefutter

Plan B

Ein Hund gewinnt seine Energie als Carnivor erstlinig aus tierischem rohem Fett. Es ist seine Hauptenergiequelle. Selbstverständlich hat die Natur aber auch einen Plan B für schwierige Zeiten eingebaut. Steht nicht genug Fett zur Verfügung, gibt es eine Ersatzenergiequelle namens Kohlenhydrate. Sie ist für temporäre Engpässe in der Energieversorgung vorgesehen. So können zu niedrige Energiereserven zumindest vorübergehend problemlos ausgeglichen und sogar kurzzeitig ersetzt werden.

Langfristig wäre dieser Plan-B für den Körper jedoch zu belastend im Vergleich zu dem leicht verfügbaren Energiegehalt in vor allem rohem Fett. Denn dort liegt die Energie bereits quasi startklar vor, beinahe wie ein Fertigprodukt. Aus Kohlenhydraten selbst muß es erst gewonnen und mehrfach umgewandelt werden. Dabei entstehen logischerweise auch die üblichen Stoffwechselabfallprodukte, die ebenfalls verarbeitet sein wollen. Würde ein Hund nun also grundsätzlich Kohlenhydrate als Hauptenergiequelle nutzen, käme es früher oder später zu einer chronischen Überbelastung seines Systems. Sein Körper ist nicht nicht auf derart große Mengen Kohlenhydratverarbeitung eingestellt, besonders nicht auf die für einen Carnivoren schwerer zugänglichen pflanzlichen.

Doch die Natur kann noch mehr, denn es gibt auch noch einen Plan C für absolute Notfälle. Proteine können ebenfalls zur Energieversorgung genutzt werden. Nur sind sie eigentlich für andere Aufgaben vorgesehen, zum Beispiel den Gesunderhalt des gesamten Muskelgewebes. Plan C stellt gewissermaßen das Notfallmanagement dar. Der Körper greift dazu auf mehr oder weniger hauseigene Materialien zurück und füllt sie erst zu späterem Zeitpunkt wieder auf. Wenn er aber die Lagerregale nur leert anstatt sie wieder aufzufüllen und seine Stammkunden wie das Muskelgewebe nicht mehr ausreichend beliefert werden können, führt dies langfristig logischerweise zu erheblichen Problemen.
Ähnlich wie bei Plan B, müssen zudem auch Proteine erst noch umgewandelt werden und liegen nicht als Energie-to-go im Regal. Durch diese Umwandlung entsteht das giftige Abfallprodukt Ammoniak. Dieses wird von der Leber unschädlich gemacht und anschließend über die Nieren ausgeschieden. Entsteht aber mehr Ammoniak als üblich (zum Beispiel durch Plan C im Langzeiteinsatz) oder sind Leber oder Nieren bereits übelastet oder gar geschädigt, wird der Körper systematisch vergiftet. Bildlich, grob umschrieben und überspitzt formuliert: die Leber läuft über und kann das Ammoniak somit nicht mehr filtern und neutralisieren, was wiederum die Co-Arbeiter Nieren überlastet. Die möglichen Folgen muß ich vermutlich nicht weiter benennen.

Der Dämon Protein und sein Kind Ammoniak

Proteine im Überfluß sind höchstwahrscheinlich schädlich. Fleisch ist zudem, wie wir festgestellt haben, proteinreich. Ergo ist Barf tödlich.

Das ist zumindest in etwa die Schlußfolgerung, die zu gewissen Warnungen vor diesem Ernährungskonzept führt. Doch wir haben uns vorhin nicht umsonst mit solch langweiligen Themen wie der Defintion von Fleisch, Verdaulichkeit von Rohproteinen und Energie auseinandergesetzt. Denn Ammoniak entsteht durch und während der Arbeit der Darmbakterien. Gelangt zuviel Protein in den Dickdarm, weil es sich beispielsweise als schwerverdaulich erweist, entsteht bei der Verarbeitung durch die dortige Darmflora reichlich Ammoniak. Kleine Mengen sind normal, denn natürlich sind manche Proteine einfach durchbrennende Langstreckenläufer und können erst im Dickdarm gestoppt werden. Die Leber inhaftiert sie dann bis sie transportfähig sind. Größere Mengen sind hingegen nicht vorgesehen, denn die Giftwächter Leber und Nieren haben noch mehr Aufgaben und Häftlinge zu betreuen als nur Ammoniak.

Wir erinnern uns, Barf ist nicht gleich Barf. Tatsächliches Barf besteht im Regelfall zu etwa 40% aus dem, woran wir im Supermarkt beim Wort Fleisch denken würden. Jedoch sieht das Konzept Barf einen regulären Fleischfettgehalt von 15-25% vor. Wem jetzt der Appetit vergeht, euer Hund freut sich. Denn Hunde haben eine erstaunlich hohe Fettakzeptanz und gesund ist es, wie wir eben festgestellt haben, auch noch. (Natürlich gibt es aber auch hier ein ungesundes Übermaß.) Doch es wird noch besser, denn beim Barfen wird bindegewebsarmes Fleisch bevorzugt. Dieses ist nämlich viel leichter verdaulich als bindegewebsreiches. Das heißt, dem leckeren aber fetten Steak ist der Vorzug zu geben. Nur muß es dafür nicht hübsch aussehen, die Abschnitte vom Zuschnitt für den Menschen oder auch all die Fetzen, die vorher noch daran hingen, genügen völlig. Natürlich darf auch bindegewebshaltigeres Fleisch gefüttert werden, es sollte nur möglichst nie den Löwenanteil ausmachen und schon gar nicht längerfristig. Bei chronisch kranken Hunden mit beispielsweise Nierenleiden, sollte stärker bindegewebshaltiges Fleisch auf Grund seines Verdaulichkeitsgrades jedoch besser gemieden werden, jedoch nicht tierisches rohes Fett.
Ein weiteres Merkmal des Barfkonzeptes ist ein durchschnittlicher Pflanzenanteil von etwa 20%. Gesonderte Kohlenhydrate ala Kartoffeln oder Getreide gehören nicht dazu, wären aber optional einbaubar.
Möchte man jene gerne nutzen, sollte der Hund jedoch gesund sein, besonders im Bezug auf die Nieren.

Das geringere Übel

Trotzdem gibt es Ausnahmen. Es gibt tatsächlich Hunde, die auf eine beinahe vegetarisch Ernährung angewiesen sind. Der Grund hierfür sind in der Regel schwere chronische Erkrankungen wie beispielsweise Leberversagen oder auch ein Leber Shunt. Ein zu hoher Anteil an tierischen Nahrungsbestandteilen kann hier sogar lebensgefährlich werden. Doch auch hier kommt es wieder auf die genaue Differenzierung an, denn nicht alles Tierische ist der Feind. Im Gegenteil sogar, hochverdauliche tierische Proteine sind immens wichtig, um andere lebenswichtige Körperbereiche wie zum Beispiel das Muskelgewebe irgendwie weiter zu versorgen. Zugleich muß man aber auf Plan B der Energieversorgung ausweichen. Kurz, es ist eine äußerst knifflige Diät. Bewußt machen muß man sich dabei zudem, Diäten sind grundsätzlich Mangelernährungen. Sie stellen nur manchmal einfach das geringere Übel dar und können mit etwas Glück Leben verlängern, gelegentlich sogar bewahren.

Der Drachenreiter

Barf bezeichnet eigentlich die Ernährung mit rohen und somit nahezu originalgetreuen Zutaten in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Wird dieses insich ausgewogene Verhältnis deutlicher gekippt, handelt es sich genaugenommen nicht mehr um Barf. Werden die Zutaten gegart, ist es ebenfalls kein Barf mehr. Außerdem beruht das Konzept des Barfens auf einem gesunden Tier als Ausgangspunkt, also genau so wie es auch bei unserer eigenen Ernährung der Fall ist. Der Umkehrschluß wäre demnach, ein krankes Tier ist nicht barfbar. Eigentlich ganz logisch, oder?

Doch betrachten wir es mal aus einer etwas anderen Perspektive…
Euer Hund ist krank und hat somit einen Drachen. Gesunde Hunde brauchen keinen Drachen, sie sind fit und uneingeschränkt. Jeder Drachen (Krankheit) hat natürlich seinen ganz eigenen Charakter. Sieht man noch genauer hin, gleicht tatsächlich keiner dem anderen, selbst wenn sie aus der selben Familie (Erkrankungen) stammen. Da ist es nur logisch, daß nicht jeder Sattel und jedes Zaumzeug jedem Drachen passt, selbst wenn es welche sind, die extra für dessen Familie entworfen wurden. Denn dazu sind Drachen einfach viel zu individuell, genau wie euer Hund eben. Oder würdet ihr behaupten, seine Geschwister gleichen eurem Vierbeiner in jeder Hinsicht?
Nehmen wir nun mal als Beispiele den legendären Drachen Epilepsie, die resolute Drachendame Zirrhose und ihren besten Freund CNI. Ohne Sattel (Ernährung) und Zaumzeug (Medikamente) ist es für gewöhnlich nahezu unmöglich, sie zu reiten und wenn doch, dann meist nicht lange. Mit der richtigen Ausstattung hingegen wird es meistens machbar, wenn auch nicht immer für ewig. Doch immerhin hat man so die Chance die Landschaft um einen herum bis zum Ende des Weges etwas zu genießen, anstelle eines völlig formlosen Farbrauschens.

Wie in nahezu jedem Ernährungskonzept, gibt es Barf sowohl mit als auch ohne Sattel. Manchmal ist der Sattel jedoch so speziell, daß man seine Herkunft nicht unbedingt auf den ersten Blick der Barfmanufaktur zuordnen würde. Dazu zählen beispielsweise die Sättel für Leberdrachen und sogenannte Kochbarfsättel. Allerdings muß man ehrlicherweise hinzufügen, für ein paar wenige Drachen gibt es keine Sättel, manchmal nicht mal Zaumzeug. Sie sind derart wild und somit gewissermaßen einzigartig, daß man sie einfach nicht reiten kann.
Sattel und Zaumzeug werden jedem Drachen und seinem Reiter im Idealfall maßgeschneidert. Allerdings gibt es natürlich auch Standardsättel in Einheitsgrößen. Die passen meist in etwa so gut wie Schuhe solcher Art uns Menschen. Manchmal sind sie aber besser als gar nichts oder eignen sich zumindest als Übergangslösung, wenn auch nicht unbedingt allzu oft.

Die ganzen unterschiedlichen Sättel nennt man übrigens auch ganz allgemein und schlicht Diät, die Manufakturen dafür Diätetik. Jede Manufaktur verwendet nur selbstverständlich ihre ganz eigenen bevorzugten Materialien als Basiskonstrukt für ihre Werke. Im Falle der Barfmanufaktur ist das eben Rohfutter (im erweiterten Sinne).
Nun aber die spannendste Frage überhaupt! Was unterscheidet die Sättel einer Barfmanufaktur von denen anderen Handwerker? Ganz genau! Einzig und allein die Basismaterialien machen den entscheidenen Unterschied, neben der Fachkundigkeit des Handwerkers selbstverständlich. Denn ohne diese nützen, völlig manufakturunabhängig, auch die besten Materialien nichts.

Kann man einen kranken Hund barfen? Nun, die Antwort auf diese Frage zu finden, liegt jetzt ganz bei euch. Instantwissen ist schließlich nur etwas für Anfänger, ihr aber seid Futterblättler!

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Quellen: Meyer/Zentek 2013: Kapitel Eiweiß + Tabellenanhang bzgl. (v)RP und ME; vet-magazin.at: Proteine – Schlüsselfaktoren der Hundeernährung, Wieviel Protein ist genug?; Royal Canin: Nährstoffkunde Fette, Ist derProteingehalt in Royal Canin Produkten für wachsende Hunde nicht zu hoch? Begünstigt dies nicht Entwicklungsstörungen der Knochen und Gelenke?, Royal Canin Produkte enthalten mehr Protein als mein bisher verwendetes Hundefutter. Kann ein hoher Proteingehalt bei Hunden Aggressionen auslösen?; Platinum: Protein ist nicht gleich Protein – auf die Verdaulichkeit und Verwertbarkeit kommt se im Hundefutter an!; Centrosan: Der Stoffwechsel von Kohlenhydraten; Annika Appel

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