Spacewalk - Protein im Hund

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Proteinüberdosis in der Hundeernährung, wieviel ist zuviel? Hunde sollten nicht zu proteinreich ernährt werden, da es sonst zu erheblichen gesundheitlichen Schäden kommen kann. Hundehalter wissen das. Doch wieviel und was für Protein darf ein Hundefutter enthalten, bevor es unserem geliebten Vierbeiner schadet?

Der Weltraumanzug - Fleisch für Carnivoren?

Zu viel Fleisch, zu viele Proteine, Nierentod. Bekannte These, besonders treue Futterblättler kennen sie. Eine Überdosis mit Proteinen führt laut häufigem Meinungbild (darunter auch Experten diverser Fachrichtungen) zu unter anderem Juckreiz, Fellglanzverlust, mieser Impulskontrolle, chronischem Nierenversagen und allgemeiner Übersäuerung. Doch ist es euch schonmal aufgefallen? Wie genau eine Proteinübersorgung zu den genannten Problemen führen kann, wird für gewöhnlich nicht weiter erklärt. Sind das demnach also alles nur haltlose Thesen? Ganz so einfach ist es dann doch leider nicht.

Fest steht jedoch, eine chronisch unausgewogene Ernährung führt zu gesundheitlichen Defiziten. Dies betrifft nicht nur Hunde, sondern Lebewesen allgemein. Auch wenn diese Problemzonen oft erst im Alter sichtbar werden, wo man nicht unbedingt mehr an den Ernährungsfaktor der Jahre zuvor denkt. Schließlich ging es dem Hund doch scheinbar immer gut mit seinem Futter. Bei manchen bemerkt man die Auswirkungen einer unabsichtlichen Fehlernährung sogar nie, da sie es sich still und heimlich gemütlich im Vierbeiner machen. Wer guckt schon bei einem augenscheinlich gesunden und fitten Hund mal hinter die Kulissen? Okay, es gibt jene, die das tun und sogar regelmäßig und ein Hundeleben lang. Verrückt, oder? Eigentlich nicht. Doch zurück zum Thema Proteinschreck im Hundenapf!

Fakt ist, Proteine können Hunde krank machen. Yup, wirklich! Doch dabei sind sie Teil einer Kettenreaktion, nicht deren Auslöser! Damit sie einem Hund nachhaltig schaden können, sind Langzeitmängel zweier bestimmter anderer Nährstoffe gleichzeitig erforderlich. Die Rede ist von, ihr erahnt es vermutlich schon, Kohlenhydraten und Fett. Ein Hund bezieht seine Energie nämlich erstlinig aus letzterem. Steht nicht genug tierisches Fett zur Verfügung, kann er auf pflanzliche Kohlenhydrate ausweichen. Dies ist artbedingt zwar nicht unbegrenzt möglich und bringt langfristig auch gesundheitliche Nachteile mit sich, doch allemal besser als gar keine Energiequelle zu haben, denn das wäre auf Dauer tödlich.

Sind nun aber beide Energiequellen (Fette & Kohlenhydrate) nicht ausreichend vorhanden, werden Proteine zur Energiegewinnung herangezogen. Ein Job, für den sie allerdings eher unterirdisch qualifiziert sind. Sie können ihn aber zumindest für kurze Zeit recht gut leisten und ohne dem Körper nachhaltig zu schaden. Es ist und bleibt aber eine Notnotlösung. Diese kann langfristig zu einer Überlastung von insbesondere Leber und Nieren durch die stete und übermäßige Ammoniakflut führen. Das ist also in etwa so, als hätte man versucht, ein Leck (Energiemangel) im Weltraumanzug (Hund) versucht dauerhaft mit Tesafilm (Protein) anstatt Isolierband (Kohlenhydrate) abzudichten. Ja, natürlich sollte man den Raumanzug zeitnah austauschen (Fettgehalt im Futter optimieren), doch manchmal geht das nicht so schnell und bis dahin tut es auch erstmal Klebeband.

Das Klebeband - Ausweichmanöver Pflanze

Gucken wir uns nochmal ganz kurz das eben erwähnte Klebeband an. Oft geht der Wunsch nach Proteinreduzierung nämlich mit dem nach Reduzierung des tierischen Futteranteils einher. Hauptgrund, Fleisch gilt als äußerst proteinreich und das ist es tatsächlich auch. Vergessen wird bei diesem Gedanken dann nur oft, es gibt auch pflanzliche Proteine. Senkt man nun also den tierischen Anteil in einem Hundefutter, erhöht man automatisch den pflanzlichen. Logisch. (Außer natürlich man fügt dem Futter einfach stattdessen reichlich Wasser hinzu.) Der Proteinanteil sinkt demnach aber nicht zwangsläufig mit dem tierischen Futteranteil, er kann sogar steigen. Dennoch gibt es durchaus auch Futterangebote, die einen sehr niedrigen Proteingehalt ausweisen, ohne zwingend massig Wasser zu enthalten.

Der Proteingehalt ansich ist jedoch nicht der einzig wichtige Faktor, sondern auch die Proteinbeschaffenheit. Denn je verdaulicher die sogenannten Rohproteine sind, desto mehr Nutzen kann ein Körper aus ihnen ziehen und es entstehen so zudem weniger belastende Stoffwechselprodukte während ihrer Verdauung im Körper. Dabei sind Proteine tierischen Ursprungs für Hunde am verdaulichsten, pflanzliche hingegen eher geringgradig. Logisch, denn der Hund ist ein Carnivor. Zwar ein fakultativer, aber ein Carnivor. (Ja, ich weiß, das gefällt nicht jedem.)

Nun kann man natürlich pflanzliche Proteinspender so aufbereiten, daß sie für den Hund etwas verdaulicher werden. Doch auch dann handelt es sich immer noch um pflanzliche Kost für einen Carnivoren, der naturbedingt nur begrenzten und bedingten Nutzen daraus ziehen kann. Setzt man beim Hundefutter außerdem verstärkt auf Hülsenfrüchte, ganz gleich aus welchen Beweggründen, riskiert man laut aktueller Forschungslage eine ernst zu nehmende Herzerkrankung seines Hundes. (Dieses Phänomen gibt es übrigens auch im Humanbereich.) Das möchte natürlich niemand. Getreide und Getreideersatz sind dennoch keineswegs per se der Todfeind eines Hundes, nur eben auch nicht gar so unbedenklich, wie es oft behauptet wird. Doch das ist Fleisch genaugenommen auch nicht, aber machen wir weiter mit der alles entscheidenen Frage…

Das berühmte Limit - Protein im Hund

Wieviel Protein darf mein Hund? Ganz ehrlich, keine Ahnung! Bislang ist es den Forschern nicht gelungen, eine schädliche Obergrenze zu finden. Eine Überdosierung ist also zwar theoretisch absolut möglich (alles läßt sich überdosieren), zumindest beim Hund aber offensichtlich verflixt schwierig zu bewirken. Denn bislang konnten keine Schäden durch proteinreiche Ernährung beim Hund beobachet werden. Ohne solche Schadensnachweise kann jedoch auch kein Proteinlimit benannt werden. Alle Zahlen, die man also in Empfehlungen zum idealen Proteingehalt eines guten Hundefutters so findet, sind wissenschaftlich kaum fundiert. Sind diese Zahlen demnach alle bloß erfunden? Die bisherigen Forschungsergebnisse geben uns zumindest quasi überbrückende gröbere Richtwerte und erlauben somit auch gewisse Formeln zur Berechnung des ungefähren Proteinsbedarfs eines Hundes. 

Spannend dabei, ein chronischer Proteinmangel hingegen führt erwiesenermaßen zu gesundheitlichen Schäden und kann sogar Lebensjahre kosten. Wer also bisher bemüht war, möglichst proteinarm zu füttern, ein neuer Blick auf den Proteingehalt des Futters lohnt sich. Der aktuellste der bisher bekannten Werte zum Mindestbedarf an Proteinen im Hundefutter für ausgewachsene Tiere liegt bei 18%. Wer mag, findet dazu übrigens einen kleinen Infoshot in der Mitte des Blättchens ‚Drachenreiter Barf‚. Für noch im Wachstum befindliche Hunde liegt der Richtwert mit 22% sogar noch etwas höher. Wer jetzt direkt mit kritischem Blick die Hundefutterverpackung aus dem Mülleiner gefischt hat, die Futterhersteller wissen natürlich um diese Richtwerte (obgleich sich nicht alle daran halten). Futterselbermachern hingegen, die nun eine leichte Tendenz zur Beunruhigung verspüren, weiteratmen! Wenn ihr nicht gerade extrem pflanzenlastig (über 30%*), sehr fettarm (weniger als 15%*) oder überzogen fettig (über 25%*) füttert, seid ihr den gröbsten Fehlern erfolgreich aus dem Weg gegangen.

*bezogen auf gesunde Hunde

Verzeiht, liebe Futterblättler, falls euch der Gedanke an einen eventuellen Proteinmangel eures Hundes künftig nachts wach hält. Bezüglich der prinzipiell möglichen Proteinüberversorgung aber könnt‘ ihr nun aber hoffentlich endlich deutlich ruhiger schlafen.

Quellen: Meyer/Zentek 2013: Kapitel Eiweiß + Tabellenanhang bzgl. (v)RP und ME; vet-magazin.at: Proteine – Schlüsselfaktoren der Hundeernährung, Wieviel Protein ist genug?; Royal Canin: Nährstoffkunde Fette, Ist derProteingehalt in Royal Canin Produkten für wachsende Hunde nicht zu hoch? Begünstigt dies nicht Entwicklungsstörungen der Knochen und Gelenke?, Royal Canin Produkte enthalten mehr Protein als mein bisher verwendetes Hundefutter. Kann ein hoher Proteingehalt bei Hunden Aggressionen auslösen?; Platinum: Protein ist nicht gleich Protein – auf die Verdaulichkeit und Verwertbarkeit kommt se im Hundefutter an!; Centrosan: Der Stoffwechsel von Kohlenhydraten; Annika Appel

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